Termination (2011)

Thematischer Ausgangspunkt dieser Arbeit ist der Versuch der Rückkehr in mein Zuhause, das infolge der Trennung meiner Eltern verlorengegangen ist. Medium für dieses Vorhaben ist die inszenierte Architekturfotografie, Ausgangsmaterial sind meine Erinnerungen, die ich als Modelle rekonstruiere. Indem ich so vorgehe und keinerlei Recherche betreibe, erzwinge ich eine Einfachheit und Unabgeschlossenheit der Modelle. An einer genauen Wiedergabe der Räume ist mir nicht gelegen. Stattdessen geht es mir um das, was sich in mir von diesen Räumen abgelöst hat. Es ist dann aber gerade die Einfachheit der Modelle, die dem einfallenden Licht etwas Illusionistisches gibt, insofern es sich als solches materialisieren kann. Obwohl die Modelle als Modelle erkennbar sind, scheint es, als würde das von mir Erinnerte in den Bildern präsent werden. Beide Aspekte stehen gleichwertig nebeneinander, schließen den/ die Betrachter/in sowohl ein als auch aus und eröffnen dadurch einen ambivalenten Zwischenraum.

 Diese Ambivalenz möchte ich auf thematischer Ebene weiterführen. Die dargestellten Situationen haben gemeinsam, dass sie von Alltagspathologien, verstörenden Ereignissen und Diskontinuitäten berichten. Die Zeit zwischen den Ereignissen wird nicht thematisiert. In den Bildern ist das erinnerte Geschehen schon längst passiert, es sind nur mehr Spuren davon sichtbar. Daneben verweisen die Bildtitel knapp kommentierend auf das Geschehen zurück. Durch diese Verfahrensweise möchte ich eine Objektivierung des von mir Erinnerten erzwingen, in welche sich aber gerade dadurch wiederum subjektive Resonanzen einschreiben. Diese verweisen auf eine tiefere Bedeutungsdimension, auf etwas Verdrängtes, das aber genauso wie die endgültige Auflösung des Zuhauses eine thematische Leerstelle bleibt und nicht eingeholt werden kann. Die von mir ausgewählten Erinnerungen zeigen sich als Vorwegnahme, als Allegorie dieser Auflösung. Hätte es diese Zäsur nicht gegeben, so wären die Erinnerungen nur einfach vermittelt, es würde nicht diese immense Distanz geben, die zur Triebfeder der Arbeit geworden ist. Die Indexikalität ist bestimmendes Moment meiner Arbeit: In der von ihr bewirkten Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit sehe ich all jene Widersprüche aufgehoben, die ich in dieser Arbeit, in der Auseinandersetzung mit der Geschichte meiner Familie, zu verhandeln versuche. Das Erinnerte wird sowohl affirmiert wie auf Distanz gebracht. Die Rückkehr in das Zuhause stellt sich zugleich als dessen Verlassen heraus.