Stefan Feiner


Infolge der Trennung meines Vaters von meiner Mutter ist die Wohnung, in welcher ich aufgewachsen bin, verkauft worden. Mit der inszenierten Architekturfotografie kehre ich in mein Zuhause auf fiktive Weise zurück. Ich stütze mich dabei auf Erinnerungen, die ich als Modelle rekonstruiere. Ich betreibe keinerlei Recherche. Durch diese Vorgehensweise werden die Modell einfach und unabgeschlossen. Sie geben die Räume der Wohnung nicht realistisch wieder, sondern zeigen, was sich in mir von diesen abgelöst hat. Obwohl die Modelle als Modelle erkennbar sind, scheint es, als würde das von mir Erinnerte in den Bildern präsent werden. Beide Aspekte stehen gleichwertig nebeneinander, schließen den/die Betrachter/in sowohl ein als auch aus. Diese Ambivalenz führe ich auf thematischer Ebene weiter. Die dargestellten Situationen haben gemeinsam, dass sie von Alltagspathologien, verstörenden Ereignissen und Diskontinuitäten berichten. In den Bildern ist das erinnerte Geschehen schon längst passiert, es sind nur mehr Spuren davon sichtbar. Daneben verweisen die Bildtitel in Satzform knapp kommentierend auf das Geschehen zurück. Dadurch möchte ich eine Objektivierung des von mir Erinnerten erzwingen, in welche sich aber gerade dadurch wiederum subjektive Resonanzen einschreiben. Diese verweisen auf eine tiefere Bedeutung, auf etwas Verdrängtes, das aber genauso wie die endgültige Auflösung des Zuhauses eine thematische Leerstelle bleibt und nicht eingeholt werden kann. Die von mir ausgewählten Erinnerungen zeigen sich als Vorwegnahme, als Allegorie dieser Auflösung. Hätte es diese Zäsur nicht gegeben, so würde nicht diese immense Distanz geben, die zur Triebfeder der Arbeit geworden ist. Das Erinnerte wird sowohl affirmiert wie auf Distanz gebracht. Indem ich in mein verlorenes Zuhause zurückkehre, bin ich auch immer schon wieder dabei, es zu verlassen.

As a result of my father‘s separation from my mother, the apartment in which I grew up was sold. By staged architectural photography I return to my home in a fictional way. I rely on memories that I reconstruct as models. I do not do any kind of research. Thus the models become simple and incomplete. They do not realistically represent the rooms of the apartment, but show what has detached itself from them within me. It seems that my memories become present in the pictures, that there is something real in them. The viewer is both included and excluded. This ambivalence also affects what stories the images are telling: everyday pathologies, disturbing events and discontinuities. In the images, the remembered events have already happened. Only traces are still visible. The display titles refer to the events by briefly commenting on them. These externalizations still resonate on subjective levels. The memories anticipate the final dissolution of my home. So, to return to my lost home inevitably also means to leave it, as the trauma cannot be resolved. By returning to my lost home, I am already leaving it again.